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Magische Nächte. Champions-League 2026/2027. Teil 1

VfB Stuttgart - Viking Stavanger

Die Tage werden wieder kürzer- es war Mittwoch -die Champions League 2026/2027 ist gestern gestartet. Zum zweiten Mal innerhalb der letzten drei Jahre nimmt unser VfB Stuttgart an der Königsklasse des europäischen Fußballs teil. Nochmals Gratulation an die Mannschaft und an das Trainerteam um Sebastian Hoeneß, dem „Baumeister des neuen VfB“.

Gestern nun der Auftakt gegen Viking FotballKlubb (Viking Stavanger). Viking schnappe dem norwegischen Serienmeister des Fußballs FK Bodo/Glimt nach 34-jähriger Durststrecke den Titel in der höchsten norwegischen Liga, der „Eliteserien“, ab. In den Playoffs zur CL 2026/2027 wurde Dinamo Zagreb, Serienmeister in Kroatien, mit einem 3:1 Heimsieg nach dem 2:2 im Hinspiel, ausgeschaltet. Also keine „Laufkundschaft“. In der PK vor dem gestrigen Auftaktspiel in der CL-Runde 2026/2027 sagte er über die Mannschaft der Wikinger: „Sie ist gut organisiert, hat eine klare Idee und wird uns wahrscheinlich aus einer eher tiefen Grundordnung vor Herausforderungen stellen wollen“. Und so kam es dann auch.

Vor dem Spiel feierten die Fans zusammen mit Alexander Wehrle, Dietmar Allgaier und der VfB-Legende Hanis Müller mit einer großen Torte den 133ten Geburtstag des Vereins. Das Sahnehäubchen darauf lieferte aber erst Demirovic mit seinem Dreierpack, innerhalb zwölf Minuten in der ersten Halbzeit. Das Stadion feierte die Demirovic-Party. „Ein Tag, den ich in meinem Leben nicht vergessen werde“, so Demirovic. Das Hick-Hack um seinen Wechsel zum Ende des gerade erst geschlossenen Transferfensters hat ihn offensichtlich eher motiviert und ihm „Beine gemacht“. Nach seinem fulminanten Sololauf zum 3:1 gegen Köln beteuerte er. „Ich wollte hierbleiben, hatte auch mit dem Trainer super Gespräche. Ich wollte den Weg hier weitergehen und keinen Ausweg suchen“.  Er räumte damit endgültig Spekulationen aus, wonach ihn Sebastian Hoeneß verkaufen wolle und sprach offen von einer verbreiteten „Lüge“ und „viel Gerede“ in den Medien. „Das haben wir schnell geklärt“, sagte er dazu nun vor der Presse. Dabei hatte Sebastian Hoeneß bereits Ende Juli auf Medienberichte (ausgelöst von Sky) irritiert und verärgert reagiert, wonach Fenerbahce Istanbul an einer Verpflichtung von Demirovic interessiert sei und er, der Trainer des VfB, offen dafür sei, in „BILD.de“ bereits reagiert: „Mein Ziel ist es immer, die besten Spieler beim VfB zu haben und Medo ist einer unserer besten Spieler“. Dieses Statement war allerdings nicht unbedingt als Beleg dafür geeignet, dass der VfB einen Verkauf von Demirovic grundsätzlich ausschloss. Schließlich erinnern sich alle VfB-Fans noch an den „Lastminute-Verkauf“ von Woltemade. Und es war kein Geheimnis, dass der VfB seit Anfang Juli dieses Jahres auf der der Suche nach einem dritten Stürmer mit dem Sportdirektor des VfL Wolfsburg über den Kauf von Dzenan Pejcinovic verhandelte.  Nach sechs Wochen langem Ringen um die Ablösesumme verpflichtete der VfB die „Sturmzukunft“, auch für die Nationalmannschaft. Pajcinovic hatte gleich im ersten Pflichtspiel des VfB im DFB-Pokal gegen Hansa Rostock auch mit einem Dreierpack für Aufsehen gesorgt. In der Zwischenzeit wurde aber allen klar vor Augen geführt, dass Senkrechtstarter auch im Fußballgeschäft immer noch eher die Ausnahme sind und bleiben werden. Was keine Kritik an Pejcinovic sein soll.   

Gut, Viking Stavanger, war gestern sicherlich Außenseiter, trägt aber neben dem FK Bodö/Glimt, der in der letzten CL-Vorrunde für Furore gesorgt hatte und auch dieses Jahr wieder in der CL- Runde dabei ist sowie der Nationalmannschaft um Erling Haaland & Co. maßgeblich zum „Fußballfieber nördlich des Polarkreises“ bei. So tituliert „Visit Norway“ seine Homepage.

Kaderwert 430 Mio. EUR gegen 49 Mio. EUR. Vikings teuerster Einkauf der Vereinsgeschichte: 3 Mio. EUR- der VfB überwies dem VfL Wolfsburg für Pejcinovic 25 Mio. EUR (wie in der Presse steht).  Pejcinovic musste gestern 62 Minuten warten, bis er für Demirovic eingewechselt, auch zu seinem ersten Einsatz in der Champions League kam und eine solide Leistung zeigte, wenig Torgefahr ausstrahlte, aber seine technischen Fähigkeiten und die Spieleröffnung nach vorne mit gutem Passspiel sowie seine Schnelligkeit erneut unter Beweis stellte. Und er half in der Defensive erfolgreich aus. Viking spielte mutig mit, traf zum zwischenzeitlichen 1:1 und resignierte trotz der furiosen ersten Halbzeit des VfB auch in der zweiten Halbzeit nicht. In der 1. Halbzeit bot der VfB ein furioses Angriffsspiel. Undav hat mit zwei Geniestreichen Demirovic optimal in Szene gesetzt. Der fackelte nicht lange und vollstreckte jeweils wuchtig. Überhaupt scheint es so, dass Hoeneß im Sturmpaar Demirovic/Undav ein Erfolgsduo gefunden hat. Demirovic sagte über Undav nach dem Spiel: „Wir verstehen uns blind“.  Und Demirovic wiederholte auch gestern seine schon nach Ende der Saison 2025/2026 gemachte Aussage: „Wir brauchen eine schlagkräftige Mannschaft, dazu gehören drei Stürmer“. Und er meinte: „Es gibt nirgends einen Freifahrschein, dass Du jedes Spiel machst. Egal wer von uns spielt, wir haben richtig Qualität aus dem Platz“.  Deshalb freue ich mich, dass er (Pecjinovic, Anm.) da ist, auch wenn es nach außen natürlich nicht immer gut aussieht, wenn es Konkurrenzkampf gibt und man dann etwas reinstichelt. Aber in der Mannschaft gibt es davon überhaupt nichts zu sehen“. Weniger sachlich und etwas widersprüchlich, aber auch typisch war seine weitere Aussage bei DAZN: „Mir geht’s am Hintern vorbei, wer mein Konkurrent ist oder wie auch immer“.

Zurück zum gestrigen Spiel. Der VfB vernachlässigte zweitweise das Verteidigen, selbst die Restabwehr um Chabot rückte (zu) oft bis an die Mittellinie auf. So fiel nach dem 1:0 der Ausgleich. Ein verlorener Zweikampf im Mittelfeld, Viking spielte eine langen, präzisen Ball nach vorne und ihr Torjäger, der einige Jahre bei Greuther Fürth in der zweiten BL gespielt hatte, umkurvte Jeltsch mit einer einfachen Körpertäuschung und traf freistehend vor Bredlow zum zwischenzeitlichen Ausgleich.  Von Champions League-Atmosphäre wie vor zwei Jahren wollte vor allem nicht in der 2. Halbzeit nicht mehr so recht aufkommen. Der VfB hielt sich in der zweiten Halbzeit bis kurz vor der Schlussoffensive zurück. Dabei hatten wir nach der furiosen ersten Hälfte eher auf ein „Schützenfest“ gehofft, auch im Hinblick auf das Torverhältnis. Die Wikinger kamen mit langen Bällen immer wieder an und in den Strafraum, wo aber vor allem Chabot alles abräumte, auch einen Ball, der nach einem Missverständnis zwischen Prömel und Bredlow von einem Wikinger in Richtung leeres Tor abgefeuert wurde.

Ein Kuriosum am Rande sei erwähnt. In der offiziellen Aufstellung des VfB in den sozialen Medien standen mit Tomas, der nach offizieller Information des VfB mit einer Muskelverletzung bis nach der Länderspielpause eigentlich nicht einsatzfähig ist, fälschlicherweise nicht elf, sondern zwölf Spieler.  

In der zweiten Halbzeit konnten neben Pajcinovic auch Al-Dakhil, Hendriks, Vagnoman und Sauer noch etwas CL-Luft schnuppern. In der Schlussphase schaltete der VfB doch noch „einen Gang höher“. Undav traf den Pfosten, schlenzte mit links einen Schuss knapp am Tor vorbei und Führich setzte einen Freistoß in aussichtsreicher Position über das Tor.  

Mein Resümee: Der VfB hat den Vorsprung von zwei Toren gut verwaltet und Kräfte geschont - für Samstag gegen Hoffenheim. Sebastian Hoeneß kommentierte den gestrigen Sieg sehr treffend: „Wir haben die drei Punkte geholt. Das ist das Wichtigste, können aber darüber hinaus ein paar Aspekte mitnehmen, die wir noch besser umsetzen können“.

Weiter geht es in der Champions League in vier Wochen. Auswärts gegen Slovan Bratislava, Serien- und Rekordmeister der slowakischen Fußballliga. In der CL- Runde 2025/2026 gewann der VfB dort souverän mit 1:3 durch zwei Tore von Leweling und einem Tor durch Rieder. Das einzige Gegentor fiel erst nach 85. Minuten und beim Stand von 0:2. Gestern kam Bratislava bei PSG mit 6:1 „unter die Räder“.  Mit einem erneuten Sieg des VfB in Bratislava wäre die Ausgangslage für das Erreichen der CL- Zwischenrunde dieses Jahr schon nach den ersten beiden Spielen deutlich besser als vor zwei Jahren.

So viel für heute zur Champions League.

Viele Grüße aus dem Schwarzwald

Bernhard

 

10.09.2026/Soe