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Die Erfolge Deutschlands bei WM- und EM- Endrundenturnieren im Männerfußball

Eine deutsche Fußball- Nationalmannschaft ist vor dem zweiten Weltkrieg bei drei Olympischen Spielen (1908 und 1912 sowie 1928 und 1936) und zwei FIFA-WM Weltmeisterschaften (1934 und 1938) aufgelaufen. Bis auf Platz drei bei der WM 1934 in Italien schnitt sie aber nicht sonderlich erfolgreich ab. Der erste Reichstrainer (Otto Nerz) hat die Mannschaft ab 1924 betreut, wurde aber nach dem frühen Ausscheiden bei der Olympiade 1936 in Berlin durch Sepp Herberger, seinem Assistenten ab 1933, ersetzt.  Herberger war sechs Wochen vor der WM 1938 in Frankreich wurde „gezwungen“, mit sechs Deutschen und fünf Österreichern in der Startelf aufzulaufen. Durch den „politischen und militärischen“ Anschluss von Österreich an Deutschland (1938) löste Österreich seinen eigenen Fußball-Verband im Frühjahr 1938 auf und verlor dadurch seine FIFA- Mitgliedschaft. Herberger gelang es nicht mehr, daraus „in der Kürze der Zeit eine Einheit zu formen“. Das Auftaktspiel gegen die Schweiz endete 1:1. Daher musste es entsprechend den damaligen FIFA-Statuten wiederholt werden, Dieses Spiel ging dann mit 2:4, „sehr zur Schadenfreude des Pariser Publikums“, wie der DFB aus seiner Homepage schreibt, verloren. Die WM 1938 war damit für Deutschland zu Ende, bevor sie richtig begonnen hatte. Die WM 1942 fiel aus, der Fußball insgesamt ruhte. Mit Ende des 2. Weltkriegs verlor der DFB auch seine Mitgliedschaft in der FIFA, eine weitere politische Entscheidung der FIFA. Der DFB wurde im März 1950 (in Stuttgart) wieder gegründet, war aber bei der ersten FIFA-WM nach dem Krieg (1950) nicht startberechtig, da der FIFA-Kongress die Wiederaufnahme Deutschlands erst nach dieser WM im Herbst 1950 (einstimmig) beschloss.

Seither hat Deutschland an allen 21 WM-Endrunden der Männer ununterbrochen teilgenommen. Die Bilanz spricht für sich: vier Weltmeistertitel (1954, 1974, 1990 und 2014), viermal Vize- Weltmeister (1966,1982,1986 und 2002), viermal Platz 3 (1934,1970, 2006 und 2010), einmal Platz 4 (1958) und dreimal Viertelfinale (1962,1994 und 1998). Aber es gab auch ((nur) vier Mal, bei 21 Teilnahmen) herbe Enttäuschungen. Das Ausscheiden in der Zwischen-Runde der WM 1978, das zweimalige Aus bereits in der WM-Vorrunde (2018 und 2022) und zuletzt im Sechszehntelfinale der WM 2026.                                                                                                            

Vergleichbar erfolgreich war Deutschland bei den 1960 erstmals ausgetragenen UEFA- Europa-Meisterschaften. Sepp Herberger hatte auf die Teilnahme an den ersten beiden UEFA- EM-Turnieren 1960 und 1964 mit der Begründung verzichtet, die Mannschaft in Ruhe auf die Titelverteidigung bei dem WM 1958 und die WM 1962 vorbereiten zu wollen. Die danach erste Teilnahme an UEFA-EM 1986 unter Helmut Schön als Bundestrainer wurde verpasst, in der Qualifikationsrunde, mit dem 0:0 in Tirana gegen Albanien, der „Schmach von Tirana“.  Seither hat sich Deutschland für alle 14 EM-Endrunden qualifiziert. Dabei wurden drei EM-Titel (1972, 1980 und 1996) geholt, dreimal wurde die Mannschaft Vize-EM-Meister (1976,1992 und 2008) und erreichte dreimal das EM-Halbfinale (1988, 2012 und 2016). Ebenfalls dreimal musste bereits nach der Vorrunde (1984, 2000 und 2004) die Heimreise angetreten werden. Bei der EM 2020, die wegen der Covid-Pandemie erst im Jahr 2021 stattfand, schied die Mannschaft auch vorzeitig (im Achtelfinale) aus. Bei der letzten EM 2024 schaffte es die Nationalelf wieder ins Viertelfinale, verlor dann aber gegen den späteren Sieger Spanien nach Verlängerung.

Deutschland stand bei acht Weltmeisterschaften im Endspiel und gewann vier Mal den Titel. Nur Brasilien hat den Titel fünf Mal (bei sieben Endspielen gewonnen). Bei Europameisterschaften reichte es bei sechs Endspielen viermal zum Titel. Lediglich Spanien hat viermal den Titel geholt. Eine glänzende deutsche Fußball- Erfolgsgeschichte, wenn nicht

  •       der letzte FIFA WM-Titel einer deutschen Nationalmannschaft 12 Jahre zurück liegen würde und
  •       der fünfte UEFA EM-Titel 30 Jahre her wäre.

Von den bisher 11 Bundestrainer haben immerhin sieben Trainer insgesamt 14- Mal den Einzug in ein WM- und/oder EM- Endspiel geschafft. Die Ausbeute: sieben Titel (viermal den WM- und drei Mal den EM-) Titel für Deutschland und drei EM-Titel.

Helmut Schön hat unter diesen sieben Trainern mit zwei WM- und zwei EM-Endspielen am erfolgreichsten abgeschnitten. Und er hat, als einziger bisher, zwei Titel, jeweils einmal den WM-Titel (1974) und den (ersten) EM-Titel (1972) geholt. Bei der WM 1966 wurde er mit seiner Mannschaft Vize-Weltmeister und 1976 Vize-Europameister.

Auch sein unmittelbarer Nachfolger, Jupp Derwall, erreichte zwei Endspiele, je einmal bei der WM und einmal bei der EM.  Nach zweijähriger Amtszeit holte er 1980 zum zweiten Mal, acht Jahre nach Schön, den zweiten EM-Titel nach Deutschland. Weitere zwei Jahre später folgte bei der WM 1982 der Titel des Vize-Weltmeisters. Nach dem überraschenden Vorrunden- Aus bei der EM 1984 gab er, entnervt von der massiven Medienschelte, sein Amt auf.

Dann kam „Beckenbauers Zeit“ als Bundestrainer. Er betreute die Mannschaft bei zwei WM- und einem EM-Turnier. Nach zwei Jahren im Amt sprang dabei 1986 der Titel des Vize-Weltmeisters heraus. Die EM 1984 endete erst im Halbfinale (gegen den späteren Titelträger, die Niederlande). Beckenbauer krönte seine Amtszeit als Bundestrainer bei der WM 1990 mit dem dritten WM-Titel für Deutschland. Danach verkündete er seinen Rücktritt.

Sein Nachfolger Berti Vogts gelang es- ebenfalls nach zwei Jahren- ins EM-Endspiel 1992 zu kommen, das aber verloren ging. Bei den WM-Endturnier 1994 und 1998 schied die Vogts-Elf jeweils bereits im Viertelfinale aus. Dazwischen krönte aber auch er seine Amtszeit mit einem Titel, dem Titel des Europameisters 1996. Nach sechs Jahren als Bundestrainer. Nach der verkorksten WM 1998 trat Berti Vogts -entnervt von der Medienkritik- zurück. Erich Ribbeck konnte die Erfolge seiner Vorgänger nicht anknüpfen. Nach dem „schmachvollem Aus“ als Titelverteidiger gleich in der Gruppenphase der EM 2000 „zog Ribbeck die Reißleine“ und trat zurück. 

Rudi Völler übernahm. Nach zwei Jahren gelang ihm mit der Vize-Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea & Japan sensationell und unerwartet sein „großer Wurf“ als Bundestrainer.  Damit konnte er nicht nur die titellose „Durststrecke“ nach dem EM-Titel1996, mit dem enttäuschten Ausscheiden bereits im Viertelfinale der WM 1998 und dem Vorrundenaus bei der EM 2000 beenden. Trotz der 0:2 Niederlage im Endspiel gegen Brasilien, durch zwei Tore von Ronaldo, der zwei Abwehrfehler bestrafte. Er entfachte damit auch wieder wahre Fußballbegeisterung in Deutschland. Diesem „Beinahe-Triumpf“ folgte das ernüchternde Vorrundenaus bei der EM 2004 - Völler trat danach zurück.

Seinem Nachfolger, Jürgen Klinsmann, blieb der ganz große sportliche Erfolg als Bundestrainer verwehrt. Sein größter Erfolg war Platz drei bei der Heim-WM 2006- das als „Sommer-Märchen“ in der Geschichte des DFB bis heute seinesgleichen sucht. Er gilt aber als der bis heute größte Erneuerer in der Geschichte des DFB. Darauf gehe ich in einer separaten Kolumne im Einzelnen ein.

Sein Nachfolger, Assistent und Freund, Joachim Löw, führte den Umbruch fort. Er prägte Deutschlands Fußball insgesamt 15 Jahre lang und führte die Nationalmannschaft bei sieben EM- und WM- Endturnieren fünfmal mindestens ins Halbfinale.

  

  •   Dreimal ins Halbfinale einer EM (2008, 2012 und 2016)
  •   Zweimal ins Endspiel einer WM: Bei der WM 2010 (Niederlage mit 0:1 gegen Spanien) und Weltmeister 2014 mit 7:1 Sieg im Endspiel gegen Brasilien

 

Bei der WM 2018 kam das Aus in der Vorrunde. Nach dem Ausscheiden im Achtelfinale der EM 2021ist Löw, wie er vor dieser EM angekündigt hatte, zurückgetreten.

Mit Hansi Flick schied die Mannschaft bereits nach der Vorrunde der WM 2022 aus. Er war der erste Bundestrainer in der Geschichte des DFB, der danach von seinem Vertrag als Bundestrainer vorzeitig entbunden wurde.

Julian Nagelsmann hatte die Mannschaft bei der EM 2024 ins Viertelfinale geführt. Seither ist der spanische Spieler Cucurella für viele Fußballfans immer noch eine „Reizfigur“. Sein offensichtliches Handspiel im eigenen Strafraum, nach einem Schuss von Musiala aufs Tor und beim Stand von 1:1 in der ersten Halbzeit der Verlängerung, wurde vom Schiedsrichter nicht gepfiffen. Der VAR griff- warum auch immer- auch nicht ein. Das Fußballdrama nahm seinen Lauf. „Wer die Tore vorne nicht macht, kriegt sie hinten rein“, ein klassisches Sprichwort. Deutschland verlor das Spiel durch ein Tor der Spanier in der 119. Minute. Trotzdem brach erneut Euphorie aus, die Hoffnung auf ein gutes Abschneiden bei der WM 2026 lebte und sein Vertrag wurde bis 2028 verlängert. Nach dem unerwarteten Vorrunden-Aus bei der WM 2026 hat der DFB mit Nagelsmann einen Auflösungsvertrag abgeschlossen.

Keinem der bisherigen Bundestrainer war ein „kometenhafter Aufstieg“ mit dem „sofortigen Gewinn“ eines EM- oder WM- Titels vergönnt.  Umso bemerkenswerter ist es, dass diese Erwartungshaltung dennoch nicht abflaut, sondern eher immer noch ausgeprägter wird. Daran beteiligt sind auch immer mehr die Spieler selbst und auch Trainer „schüren“ diese Erwartungen.

Im Leistungssport insgesamt und vor allem auch im Profifußball ist die harte Realität: Nur der Titel zählt. „Der Zweite ist der erste Verlierer“. Dieses Zitat soll von Enzo Ferrari stammen. Fans und Medien feiern nur den Champion. Dies erhöht natürlich den ohnehin großen Druck, den sich Leistungssportler ohnehin selbst machen. „Ich will zur WM fahren, um das Ding zu gewinnen“, so Nils Schlotterbeck vor der WM 2026. Dadurch erhöht man nicht nur den Druck auf sich selbst, sondern weckt natürlich bei den Fans große Erwartungen. Solche „Statements“ sind natürlich für die Boulevard-Presse „ein gefundenes Fressen“ um Schlagzeilen zu machen (und letztlich Auflage und Umsatz zu steigern). Wobei so eine Aussage aus meiner Sicht ziemlich sinnfrei ist, zumindest wenn man einen Mannschaftssport betreibt. Auch das verdeutlicht eine weitere, aus meiner Sicht ebenso bedenkliche Entwicklung im Leistungssport – Spitzensportler vermarkten sich immer mehr selbst und treten dazu als „IchAG“ auf. Dabei sollten gerade Topspieler auch darüber nachdenken, welche Auswirkungen solche Statements auf die Fans oder Medien oder Sponsoren haben.  

Das oberste Ziel, „den Titel zu holen“, „Champion zu werden“, haben in einem Massensport wie Fußball und mit Reichweite „rund um den Globus“ natürlich auch globale Werbepartner, Sponsoren und (Mehrheits-) Eigentümer der Vereine. Gewinnt „ihr Team“, dann wirkt sich das nicht nur auf ihre Bekanntheit aus. Man kann höhere Gewinne und/ oder steigende Aktienkurse erwarten. Zumal ihr finanzielles Engagement nicht selbstlos erfolgt. Die Ausgaben müssen wieder „eingespielt“ werden. Genau so denkt und handelt auch die FIFA- nicht erst unter ihrem amtierenden Präsidenten. „Ordentliche“ Unternehmen stellen sog. 5-Jahrespläne auf, darin sind natürlich auch „Ziele“ definiert, einschließlich Umsatz- und Gewinnerwartungen. So handhabt es auch die FIFA. Sie stellt strategischen Ziele und ein Finanzbudget auf- „FIFA-Zyklus“ genannt. Es ist an den 4-jahres Rhythmus der Fußballweltmeisterschaft angepasst. Oberste Priorität hat das Umsatzziel der FIFA. So kann man heute schon nachlesen, dass die FIFA für den Zyklus 2027- 2031 abermals einen neuen Rekordumsatz plant. In den Planungen für den aktuellen Zyklus mit der WM 2026 wurden 11.000 Mio. USD angesetzt, 2027-2031 sollen dann 14.000 Mio. USD generiert werden. Die FIFA und ihr Präsident versprechen, dass es damit möglich sei, die Grund- und Betriebszahlungen an die Mitgliedsverbände von derzeit zwei Mio. USD auf „bis zu 20 Mio. USD pro Mitgliedsverband“ zu erhöhen, was einer Verzehnfachung entsprechen würde. Überraschung? Nein. Im Frühjahr 2027 finden Neuwahlen auch des FIFA-Präsidenten statt.

Wie soll das weitergehen? Auch bei der FIFA-WM 2030 ff stehen jeweils nur zwei Teams im Endspiel- ein Team gewinnt den Titel, das andere ist der erste Verlierer. Nicht zuletzt aufgrund der „Inszenierungen“ bei der WM 2026 und dem geplanten, teilweisen „Verkauf der FIFA-WM“ an Investoren, mehren die Stimmen, die (wieder) mehr „Fairness“ für den Profifußball fordern. Dafür liegen konkrete Vorschläge auf dem Tisch. So werden strengere Finanzregeln mit Gehaltsobergrenzen im Vereinsfußball, dem „Salary Cap“, gefordert. Dadurch soll verhindert werden, dass vor allem finanzstarke Vereine den Fußball dominieren. Dies will man dadurch erreichen, dass die Ausgaben für den Kader auf ca. 70% der Einnahmen begrenzt werden. Auch die Ablösesummen und Beraterprovisionen (die, „wie krank“, von den Vereinen zu bezahlen sind) sollen gedeckelt werden. Sponsorengelder von „reichen Eigentümern“ sollen konsequent an den echten Marktwert des Vereins gekoppelt sein (Fair Value), um den sportlichen Wettbewerb nicht zu verzerren.  Besitzt ein Investor Anteile oder die Mehrheit an mehreren Vereinen gleichzeitig, soll es „härtere Verbote“ geben. Zudem sollen z.B. bei der Produktion von Fanartikeln „faire“ Löhne und Arbeitsbedingungen garantiert werden.

Es hat nicht den Anschein, dass die FIFA derzeit solche Überlegungen anstellt. Aber auch von Verbandsseite hört man dazu bis heute nur „Schweigen“.

 

Viele Grüße aus dem Schwarzwald

Bernhard

besoe 06.08.2026