Die Zuversicht überwiegt

Liebe Piranhas,

vor dem Start in die Rückrunde der 1. Fußball-Bundesliga melde ich mich nach langer Pause wieder mit einer Kolumne.

Mit dem Abschneiden des VfB in der Vorrunde nach dem Wiederaufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga können wir alle zufrieden sein.

O.K., 17 Punkte sind nicht so viele Punkte wie erhofft, aber 17 Punkte für einen Aufsteiger können sich sehen lassen. Sicherlich trifft es zu, dass Herr Wolf die Mannschaft seit dem Wiederaufstieg eher defensiv spielen lässt. Es ist ja eine Binsenweisheit, dass Fußballspiele in aller Regel in der Abwehr entschieden werden. Aber es ist auch klar, dass man ein Spiel nur dann gewinnt, wenn man Tore schießt: zumindest ein Tor mehr als der Gegner.

Ist die Spielweise des VfB in der Hinrunde zu defensiv gewesen, oder hat die Mannschaft zu wenige Torchancen, die zweifellos vorhanden waren, verwertet?

21 Gegentore in 17 Spielen, dies ist eine Bilanz, die sich sehen lässt. Deftige Niederlagen gab es in der Hinrunde für den VfB nicht. Aus dem Spiel heraus hat der VfB zehn Tore kassiert, elf Gegentore musste der VfB nach Standards hinnehmen. Darunter waren einige ärgerliche Gegentore, die nach schnell ausgeführten Freistößen fielen.

Dreizehn Tore hat der VfB in 17 Spielen geschossen. Nur dreizehn Tore. Das ist eindeutig zu wenig. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass die Mannschaft nach dem Wiederaufstieg erneut umgekrempelt wurde. Aus dem 26- köpfigen Kader, der den sofortigen Wiederaufstieg schaffte, sind mit Beginn der Rückrunde am kommenden Samstag gerade noch zehn Spieler dabei.

Die Abwehr hat mit der Verpflichtung von Holger Badstuber und dem immer stärker werdenden Benjamin Pavard an Stabilität gewonnen. Dies gilt auch für Timo Baumgartl, der sich mehr und mehr zu einem zuverlässigen Abwehrspieler entwickelt. Für das Mittelfeld ist mit dem Kauf von Santiago Ascacibar ein Juwel verpflichtet worden und mit dem erfahrenen Dennis Beck ist die Position des rechten Verteidigers solide besetzt. Ron-Robert Zieler zählt für mich zu den besten Torhütern der Bundesliga. Er hat mit einigen tollen Paraden nicht nur gegen Dortmund den Sieg gesichert, auch wenn er im Auswärtsspiel gegen den HSV gepatzt hat und für meinen Geschmack manches Mal zu weit vor seinem Tor steht. Und er gibt der Abwehr die nötige Sicherheit, auch deshalb, weil er über eine sehr gute fußballerische Qualität verfügt.

Die beiden zentralen Mittelfeldspieler hatten in der Hinrunde vor allem die Aufgabe, den Laden nach hinten abzusichern. Die Konsequenz: In der Hinrunde hat kein Mittelfeldspieler ein Tor für den VfB erzielt. Dies gilt auch für Berkay Özcan. Er hat in der Hinrunde als offensiver Mittelfeldspieler kaum Kreativität und Leidenschaft gezeigt und so gut wie keine Torgefahr entwickeln können. Zudem kommen über die Außenspieler zu wenige brauchbare Zuspiele in den Strafraum oder vor das Tor. Einzig Emiliano Insua sorgte nach Rückkehr von seiner verletzungsbedingten Pause mit einigen Flanken von der linken Seite für Gefahr vor dem gegnerischen Tor. Aber vorne fehlte ein Abnehmer, der sich gegen robuste und erfahrene Innenverteidiger der gegnerischen Mannschaften behaupten kann. Simon Terodde und Takuma Asano standen jeweils in fünfzehn Begegnungen auf dem Platz, schossen aber je nur ein Tor. Daniel Ginzcek konnte verletzungsbedingt nur an sechs Spielen der Hinrunde mitwirken und erzielte dabei immerhin zwei Tore. Leider waren Chadrak Akolo und Anastasios Donis in der Vorrunde zu häufig verletzt. Trotzdem schossen diese beiden Neuverpflichtungen fünf der dreizehn Tore.

Wie gut, dass sich der VfB mit Mario Gomez einen „dicken Fisch“ geangelt hat. Gomez hat seine Torjägerqualitäten viele Jahre unter Beweis gestellt. Er ist ein klassischer Strafraumstürmer, braucht aber verwertbare Zuspiele. Dann macht er auch für den VfB seine Tore, davon bin ich überzeugt. Mario Gomez ist ein Führungsspieler, der Verantwortung übernimmt und mit Einsatz- und Siegeswillen vorangehen wird. Hoffentlich orientieren sich an ihm, an Ron- Robert Zieler, Christian Gentner, Santiago Ascacibar oder Emiliano Insua weitere Spieler. Dies ist sicherlich nicht ausschließlich eine Frage des Wollens oder Könnens, sondern auch eine Frage des Kopfes. Dazu hat der VfB seit 2015 mit Philipp Laux einen Sportpsychologen an Bord, über den Hermann Gerland sagt: „Es gibt in der Bundesliga viele Gute (Sportpsychologen), aber der Beste ist der Lauxi“.

Es scheint so, dass alle Verantwortlichen beim VfB die Situation nach der Hinrunde professionell analysiert und die notwendigen Schlüsse und Entscheidungen getroffen haben.

Die Rückrunde beginnt am kommenden Samstag mit dem Heimspiel gegen Hertha BSC. In den ersten vier bis sechs Spielen wird sich zeigen, ob die Richtung weiterhin stimmt und das Ziel des Klassenerhalts mit diesem Kader und mit Herrn Wolf als Cheftrainer realistisch ist.

Persönlich bin ich zuversichtlich, dass der VfB eine erfolgreiche Rückrunde spielen wird und niemand die Frage nach der „Kreditlinie des Trainers“, stellt, die Herrn Reschke laut Zeitungsinformationen auch bisher noch nicht beschäftigt haben soll.

Viele Grüße aus dem Schwarzwald

Bernhard

 

Soe/09.01.2018

 

 

 

Alles gut, oder?

Liebe Piranhas,

nach langer „Auszeit“ melde ich mich wieder mit einer Kolumne.

Leider fällt es mir immer noch schwer, mich mit der Realität abzufinden. Unser VfB Stuttgart ist nach mehrjähriger Ansage tatsächlich in die 2. Fußball-Bundesliga abgestiegen. Dass ich das ein zweites Mal erleben muss, grausam. Meine Befürchtung ist, dass es, wie im Jahr eins nach dem Abstieg im Jahr 1975, auch dieses Mal nichts wird, mit dem direkten Aufstieg.

Wenn ich die Vorrundenspiele des VfB in der aktuellen Saison Revue passieren lasse, dann habe ich große Bedenken, ob Spieler und Entscheidungsträger im Verein wirklich in der Realität der 2. Liga angekommen sind und zudem lernen viele der neuen Spieler die 2. Bundesliga erstmals kennen.

Fakt ist, dass der VfB gegen fünf der sieben Mannschaften, die nach Abschluss der Vorrunde der 2.Liga auf den Plätzen 1 und 2 sowie 4 bis 8 liegen, NULL Punkte geholt hat: Zwei Niederlagen zu Hause, gegen Heidenheim und Hannover sowie drei Auswärtspleiten gegen Düsseldorf, Dresden und Würzburg. Zudem ist die Trefferausbeute bei den drei Auswärtsniederlagen erschreckend: NULL Tore geschossen, NEUN Tore kassiert. In den beiden anderen Spielen gegen Mannschaften auf den Plätzen 1 bis 8 gelang lediglich gegen Braunschweig ein Heimsieg und im Auswärtsspiel gegen Union Berlin erreichte man ein Unentschieden. Die Trefferausbeute gegen diese sieben Mannschaften mit 5:15 Toren ist unterirdisch, für eine Mannschaft, die den sofortigen Wiederaufstieg plant. 

Dass ein radikaler Umbau des Kaders erfolgte, ist verständlich. Von der Mannschaft der Abstiegssaison sind heute noch 11 Spieler (und Langerak als Torwart) im Kader. Von diesen 11 Spielern haben 6 Spieler in der letzten Bundesligasaison 19 oder mehr Spiele absolviert. Drei (Sunjic, Klein und Maxim) dieser 6 Spieler standen im Abstiegsjahr zumindest nicht regelmäßig in der Startelf. Großkreutz brachte es auf 10 Einsätze, Tashchy auf 9 Spiele, Gincek auf 7 Spiele, Heise auf 5 Spiele und Zimmermann stand im Abstiegsjahr bei 2 Spielen auf dem Platz. Langerak stand bei 2 Spielen im Tor.

Im aktuellen Kader stehen derzeit 23 Spieler und 3 Torhüter. Zwei der neuen Spieler stammen aus dem Nachwuchsbereich des VfB (Sama, Özcan). Mit Hosogai und Werner wurden 2 Spieler mit Erfahrungen aus der 1. Liga verpflichtet und mit Terrode und Zimmer wurden 2 Spieler mit Zweitligaerfahrung geholt. Bei allen anderen Neuverpflichtungen (6 Spieler) handelt es sich um junge Spieler, die bei ihren bisherigen Vereinen wenig zum Einsatz gekommen sind, zum Teil aber als vielversprechende Talente eingestuft werden bzw. von ihren Heimatvereinen an den VfB ausgeliehen wurden, um sich weiter zu entwickeln und Spielpraxis zu sammeln.

So weit, so gut. Aber es stellt sich auch in dieser Saison offensichtlich wieder die Frage, ob dieser Kader ausreichend gut besetzt ist. Dabei geht es dieses Mal nicht um den Klassenerhalt in der 1. Liga. Dieses Jahr geht es um den sofortigen Wiederaufstieg in die 1. Liga, wie dies die ausdrückliche Zielsetzung aller Verantwortlichen im Verein und die Erwartung aller Sponsoren und Gönner des Vereins sowie die Hoffnung aller Fans des VfB ist.

Die Verantwortlichen des VfB haben vermeldet, dass sich die Stimmung nach der Pleite in Würzburg eingetrübt sei und dass man enttäuscht sei, die gute Ausgangslage vor dem Spiel gegen Hannover nicht genutzt zu haben, „mit einem Punktepolster in die Winterpause zu gehen“. Dabei waren es doch nicht nur diese beiden letzten Spiele, in denen dem VfB nun auch in der 2. Liga deutlich die nach wie vorhandenen Schwächen in allen Mannschaftsteilen schonungslos aufgezeigt wurden. In allen der o.g. sieben Spiele war die Mannschaft des VfB den jeweiligen Mannschaften in Sachen Engagement, körperlicher Präsens und Willen klar unterlegen. Erwähnen möchte auch die offensichtlichen Defizite im Zweikampfverhalten auch und besonders der neuen und jungen sog. „Hoffnungsträger“ auf den Außenbahnen, sowie die mangelnder Antrittsschnelligkeit und fehlende Laufbereitschaft von zu vielen Spielern. Darüber kann eigentlich niemand wirklich überrascht sein, weil das doch auch schon die großen Schwächen vieler Spieler, die auch heute noch im Kader stehen, in den letzten Jahren in der 1. Liga waren. Dass es kaum Spieler mit Führungseigenschaften auf dem Platz gibt, ist ebenso nichts Neues. Von den neu hinzugekommenen Spielern kann dies im Ernst niemand von der sportlichen Führung oder von uns Zuschauern erwarten haben.

Deshalb wundere ich mich, dass der neue Präsident offiziell verlauten lässt: „Wir verfügen über eine Mannschaft, die ganz oben stehen kann. Das erfordert aber maximales Engagement“. Nein, eigentlich wundere ich mich nicht. Solche Aussagen wurden ja auch schon in der Vergangenheit gemacht. Völlig überflüssig bzw. kontraproduktiv. Warum spricht man wieder Dinge nicht so an, wie sie sind? Fakt ist, der VfB hat in der Hinrunde von 5 Mannschaften auf Tabellenplatz 1 bis 8 zum Teil deftige Niederlagen kassiert und gegen Union Berlin trotz Führung nur einen Punkt gerettet, weil Union Berlin eben auch keine Spitzenmannschaft ist und von Union Berlin zahlreiche Chancen, zum Teil frei vor dem Tor stehend, kläglich vergeben wurden. Und die drei Punkte  im Heimspiel gegen Braunschweig, im Übrigen unter dem Interimscoach Jansen, konnten in der 2. Halbzeit nur dank zweier toller Reflexe von Langerak innerhalb von 1 Minute eingefahren werden. Daher war und ist die komplette Vorrunde, nicht nur die letzten beiden Spiele enttäuschend verlaufen, wenn man den Anspruch des sofortigen Wiederaufstiegs in der Öffentlichkeit permanent äußert.

Der Neuaufbau war nach dem Abstieg unumgänglich. Dies gilt auch für die erfolgte Neuausrichtung auf vereinspolitischer Ebene. Die Mannschaft ist allerdings wiederum und ausschließlich nach finanziellen Gesichtspunkten zusammengestellt, wie die Jahre zuvor. Daher kann man von den vielen, meist neuen Spielern auch nicht erwarten, dass sie sofort Leistungsträger sein können oder dies in der Rückrunde sein werden. Und es fehlen auch so manchem neuen Spieler die Zweikampfhärte und das technische Vermögen, sich gegen robuste Gegenspieler zu behaupten oder ein Spiel mitzugestalten. Kaum einer der jungen Spieler zählte in seinen bisherigen Vereinen zur Stammelf und verfügt daher auch über wenig Spielpraxis. Von den Anpassungsproblemen der neuen Spieler mal ganz abzusehen. Alleine Terrode hat von den Neuzugängen die Erwartungen erfüllt. Die seit Jahren in der Abwehr bekannten Defizite bestehen immer noch. Alleine Baumgartl entwickelt sich weiter und hat gute Spiele abgeliefert. Bei keinem der anderen Spieler, die nach dem Abstieg weiterhin zum Kader gehören, sehe ich eine Weiterentwicklung. Und dabei sollte man erwarten können, dass gerade diese Spieler in der 2. Liga eher zu den herausragenden Spielern zählten. Ist aber zumindest für mich nicht zu erkennen.

Ich weiß nicht, ob der VfB die aktuelle Mannschaft wirklich unter dem Gesichtspunkt des sofortigen Wiederaufstiegs zusammengestellt hat. Oder hat man die Anforderungen an eine Spitzenmannschaft in der 2. Liga nicht erkannt? Oder man schätzt den Abstieg schlicht nur als Betriebsunfall ein, ohne sich wirklich bewusst gemacht zu haben, WARUM der VfB (verdientermaßen) abgestiegen ist.

Nun auf Neuzugänge in der Winterpause zu bauen, ist auch nicht die Lösung. Und ob wirklich gute und erfahrene Spieler in der Winterpause gerade zum VfB wechseln würden und das für möglichst wenig Geld, das ist eine Illusion.

Zeit bleibt dem VfB nicht viel. Es stehen noch die 17 Spiele der Rückrunde an. Jedes Spiel ist ein Endspiel. Der Druck auf die Spieler und das Trainerteam wird, auch wenn der Auftakt zur Rückrunde- bei St. Pauli – gelingen sollte, von Spiel zu Spiel steigen.

Ich hoffe, dass das gut geht.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen Frohe Weihnachten und ein gesundes und glückliches Jahr 2017.

Viele Grüße aus dem Schwarzwald

Bernhard

 

Soe/21.12.2016

 

 

 

 

Ein Lichtblick

Liebe Piranhas,

 

aus der Römerzeit ist eine Redewendung des römischen Philosophen und Dramatikers L. Annaeus Seneca bekannt: „Per aspera ad astra“. Wörtlich übersetzt heißt dies: “Durch das Rauhe zu den Sternen”. Im Duden wird die Redewendung von Seneca sinngemäß mit „Durch die Nacht zum Licht“ beschrieben.

Diese Redewendung, die im Übrigen von Institutionen wie der Royal Air Force, mehreren Universitäten und auf der Flagge des US-Bundesstaates Kansas benutzt wird, ist mir im Zusammenhang mit dem Auftauchen des VfB aus der tiefen Nacht des Bundesliga-Kellers in den Sinn gekommen. Mit Jürgen Kramny als Cheftrainer geht es mit dem VfB wieder aufwärts. Unter Kramny hat sich der VfB eindrucksvoll und quasi über Nacht zurückgemeldet und sieht nun wieder Licht. Noch lange wird wohl kein weiterer Stern am Himmel über Stuttgart stehen, aber der VfB und alle seine Anhänger können wieder nach Oben schauen    

Wie wohltuend unterscheidet sich Jürgen Kramny von seinem selbstherrlichen und kläglich gescheiterten Vorgänger, der auf bestem Weg war, den VfB in die 2. Bundesliga zu führen. Zorniger hat den Spielern seine Spielidee förmlich aufgezwungen, ohne die Fähigkeiten und Erfahrungen der einzelnen Spieler zu berücksichtigen. Als Folge wurde die Defensive sträflich vernachlässigt und es hagelte bittere Niederlagen. Trotzdem bezeichnete Zorniger seine Spielauffassung mehrfach als alternativlos. Mit diesem kompromisslosen Verhalten verunsicherte Zorniger sowohl die Spieler als auch das Umfeld. Nach dem 0:4 Debakel im Heimspiel gegen Augsburg meinte Zorninger noch voller Ironie, dass er wohl etwas Entscheidendes übersehen habe. Ja so eine dümmliche Erkenntnis. Unter ihm hatte der VfB aus 13 Spielen gerade mal 10 Punkte auf dem Konto, schoss trotz bedingungslosen Balljagens nur 17 Tore, bekam aber 31 Gegentore.

Mit Jürgen Kramny als Trainer hat der VfB in 9 Bundesligaspielen 18 Punkte geholt und ein Torverhältnis von 17:11 erreicht.  Unter ihm wird offensichtlich wieder jeder Spieler respektiert. Die Sachlichkeit, die Kramny ausstrahlt, ist wohltuend. Nicht er will im Mittelpunkt stehen, er ist kein Ich- bezogener Mensch. Kramny lässt die Mannschaft das spielen, wozu sie in der Lage ist. Und sie ist ganz offensichtlich zu Einigem fähig. Noch immer staune ich, dass die Mannschaft unter Jürgen Kramny so schnell die Balance gefunden hat. Es wird nicht mehr auf dem ganzen Spielfeld bedingungslos nach dem Ball gejagt. Dadurch ist die Lücke zwischen der Abwehr und dem Mittelfeld nicht mehr so groß und es gibt weniger 1:1 Situationen vor dem oder im eigenen Strafraum oder sogar mit dem eigenen Torwart. Die Innenverteidigung mit Niedermeier und Schwaab steht solide. Dies gilt auch für Insúa und Großkreuz auf den Außenverteidigerpositionen, die zudem beide offensiv denken und schnell handeln können Tyton ist ein guter Torwart und auch fußballerisch besser als sein Vorgänger. Im Mittelfeld ist der VfB gut besetzt. Gentner darf unter Kramny offensiver agieren, Kostic ist plötzlich wieder hochmotiviert und Rupp hat sich nach der Verletzung von Harnik im rechten Mittelfeld so richtig gut entwickelt und ist auch torgefährlich. Auf der Position des Spielmachers hat der VfB meiner Ansicht nach mit Maxim einen fast gleichwertigen Ersatz für Didavi. Im Sturm fehlt Ginzcek buchstäblich an allen Ecken. Vielleicht lässt Kramny die Leihgabe von Dynamo Kiew, Artem Kravets, auch in einem Bundesligaspiel mal von Beginn an spielen. Es scheint so, dass er aus wenigen Chancen ein Tor erzielen kann und ist beim Torabschluss ruhiger als Werner.

Aber der Weg zum Licht oder gar zu den Sternen, sprich, mal wieder in Richtung Europa zu denken, ist noch weit. Die richtigen „Kaliber“ warten auf den VfB in den nächsten Spielen. Beim Auswärtsspiel in Schalke dachte ich nach der ersten Halbzeit, dass nun die zweite Niederlage unter Kramny fällig ist. Drei Jahre in den dunklen Regionen des Tabellenkellers haben auch an meiner Zuversicht schwer genagt. Und dann schafft der VfB in Schalke doch noch den verdienten Ausgleich. Dieses Spiel hat gezeigt, dass unter Kramny das Vertrauen in das eigene Können und auf Grund der kleinen Siegesserie wieder gestiegen ist.

Es sind noch 11 Spiele zu absolvieren. Zum Klassenerhalt fehlen dem VfB vielleicht noch 10 Punkte? Mit einem Sieg am kommenden Samstag hätte der VfB 31 Punkte. Dann wären wir wieder am Licht, noch weit weg von den Sternen, aber auch weit genug weg von den Abstiegsplätzen. Und mehr als den Nichtabstieg wünsche ich mir in dieser Saison nicht.

 

Viele Grüße aus dem Schwarzwald

Bernhard

 

Soe/25.02.2016