Mutige Prognosen – klare Ansagen

 

Liebe Piranhas,

zum Beginn der 1. Fußball-Bundesliga 2018/2019 Saison melde ich mich mal wieder mit einer Kolumne.

In den letzten Tagen habe ich mir die Zeit genommen, einige Artikel von Fußballexperten zu lesen, wie sie das Abschneiden der achtzehn Mannschaften der 1. Fußball-Bundesliga in der neuen Saison einschätzen, wer wohl die besten Chancen hat, (wieder) Meister zu werden, wer die Champions League oder die UEFA Europa League erreichen könnte und wer zu den Abstiegskandidaten zählt.

Alle diese Experten sind sich einig, dass die Mannschaft des VfB vor allem durch die Verpflichtungen von Pablo Maffeo, Gonzalo Castro, Daniel Didavi und Nicolás González weiter an Qualität hinzugewonnen hat. Deshalb rechnen alle Experten damit, dass der VfB in seiner zweiten Saison nach dem Wiederaufstieg keine Abstiegssorgen bekommen wird. Die Verpflichtung dieser Spieler wird nach Ansicht vieler Experten schnell und nachhaltig zu einer weiteren Stabilisierung der Mannschaft führen und sollte auch ermöglichen, dass der VfB offensiver auftritt, als im Jahr eins nach dem Wiederaufstieg. Die Experten teilen die Meinung des Kapitäns Christian Gentner, der nach dem Sieg in Reutlingen den Presseleuten gesagt hat:

Ich bin mir sicher, dass wir uns verstärkt haben“… Die Konkurrenzsituation hat sich verschärft. Die Neuen werden uns helfen –die einen früher, die anderen eben etwas später“.

Erfreulich selbstbewusst klingt auch die Ansage des Sportvorstandes des VfB: „Wir sind gefestigt, ich mache mir wenig Sorgen, was die Bundesliga angeht“. So wird Herr Reschke nach Abschluss der Vorbereitung und dem verlorenen Pokalspiel in Rostock in der Presse zitiert.

In der vergangenen Saison hat der VfB in der Fußball-Bundesliga vor allem nach der Verpflichtung von Tayfun Korkut als neuen Trainer eine Klasse Leistung abgeliefert. Vierzehn Pflichtspiele hat der VfB mit Tayfun Korkut als Cheftrainer in der vergangenen Saison bestritten. Von diesen vierzehn Begegnungen hat der VfB neun Partien gewonnen, vier Mal unentschieden gespielt und nur eine Begegnung (in Dortmund) verloren: Die Bilanz war überragend: 31 Punkte aus 14 Spielen, Vizemeister der Rückrundentabelle. Unter Tayfun Korkut war die defensive Stabilität noch wichtiger als unter Hannes Wolf. In den vierzehn Spielen unter Tayfun Korkut hat der VfB gerade mal zehn Gegentore kassiert. Auffällig war zudem, dass sehr häufig alle zehn Feldspieler, also auch Daniel Ginczek und Mario Gomez die Defensive verstärkt haben und in der Verteidigung wurde bei gegnerischen Angriffen häufig ein Fünferriegel vor Ron-Robert Zieler aufgeboten. Das Resultat: Vier der unter Tayfun Kurkut eingefahrenen neun Siege endeten 1:0, wobei besonders der 1:0 Sieg in Leverkusen schon sehr glücklich war. Dennoch gelang es dem VfB, in den vierzehn Spielen zwanzig Tore zu schießen. Deutlich mehr als in den 20 Spielen unter Hannes Wolf, sodass in der Statistik für die Saison 2017/2018 ein ausgeglichenes Torverhältnis von 36:36 Toren zu finden ist. Das Spiel nach vorne hat Tayfun Korkut sehr vereinfacht: Es wurden häufig lange Bälle auf den sog. Ochsensturm geschlagen. Und das mit Erfolg. Und mit dem deutlichen Sieg beim großen FC Bayern München am letzten Spieltag der Saison 2017/2018 hat der VfB zudem ein dickes Ausrufezeichen gesetzt und den von wenigen erwarteten 7. Platz in der Abschlusstabelle ergattert.

Das Fußballerlebnis kam in der letzten Saison aber oft zu kurz. Die Spielweise war sehr kontrolliert, oft hat man hat die Initiative der gegnerischen Mannschaft überlassen. In der Spielphilosophie von Tayfun Korfut wurde bisher weniger Wert auf Spielkontrolle gelegt, das Spiel ist ganz pragmatisch auf das Ergebnis ausgerichtet. Oder haben ihm die Spieler gefehlt, das Spiel selbst zu gestalten? Auf jeden Fall hat die Mannschaft diese Philosophie angenommen und erfolgreich umgesetzt. Und wir Zuschauer waren zufrieden, auch wenn viele Begegnungen des VfB wenig Begeisterungsstürme ausgelöst haben- mit Ausnahme des klaren Erfolges bei Bayern München. Aber nach dem Wiederaufstieg gleich den 7. Platz zu erreichen, VfB-Herz, was möchtest Du mehr?

Nach dem erfolgreichen Abschneiden in der vergangenen Saison und den Neuverpflichtungen, ist die Erwartungshaltung für die neue Saison bei allen Beteiligten natürlich recht hoch - bei uns Zuschauern, den Medien, den Experten, bei den Verantwortlichen des VfB ebenso wie bei einigen Führungsspielern des VfB.

 

Allgemein wird im Umfeld des VfB davon ausgegangen, dass der VfB in der neuen Saison durch die Rückkehr von Daniel Didavi, die Neuverpflichtungen von Gonzales Castro, Nicolás Gonzáles und Pablo Maffeo sowie den Verbleib von Benjamin Pavard in der Lage sein wird, Spiele verstärkt selbst zu gestalten und offensiver zu agieren. Und deshalb hoffe auch ich, dass der VfB mehr Tore schießt als in der letzten Saison und vielleicht auch häufiger spielerische Akzente setzt. Und wir haben neben Erik Thommy mit Daniel Didavi einen weiteren Freistoßspezialisten (zurück).

Aber diese fast schon euphorisch klingende Erwartungshaltung wird nicht nur von den Herren Dietrich und Reschke, sondern auch Tayfun Korkut und einige Führungsspieler stark gedämpft. So haben sich Ron-Robert Zieler und Holger Badstuber ähnlich wie Tayfun Korkut geäußert. Unisono vertreten sie die Meinung, dass sich der VfB in der neuen Saison zunächst darauf besinnen sollte, „was uns in der vergangenen Saison stark gemacht hat“, so Tayfun Korkut in der Presse. Will heißen: Mentalität, Disziplin und Effizienz.

Holger Badstuber bringt die Marschrichtung für die neue Saison auf den Punkt, wenn er in der Presse wie folgt zitiert wird: „Wir müssen demütig bleiben… und wenn einer von uns glaubt, er müsse abheben, dann werden wir ihn schon wieder auf den Boden holen“.

Holger Badstuber und Ron-Robert Zieler sind sich einig, dass es ihnen lieber ist, ein Spiel mit 1:0 als mit 4:3 zu gewinnen. Für einen Torwart und für Abwehrspieler sind dies nachvollziehbare Aussagen, und Holger Badstuber meint schon leicht sarkastisch: „Die Leute wollen kein Spektakel, die wollen ihre Mannschaft gewinnen sehen“.

Aber wer weiß, wie es tatsächlich kommt.

Im Tor und in der Abwehr sowie im defensiven Mittelfeld hat der VfB sehr viele gute und erfahrene Spieler, die in der letzten Saison sehr gut zusammengearbeitet und tolle Leistungen abgeliefert haben. Und mit Gonzalo Castro hat man einen weiteren defensiven Mittelfeldspieler verpflichtet, der über sehr große Erfahrungen verfügt, den Ball halten kann und große Übersicht hat.

Im offensiven Mittelfeld und im Angriff hat der VfB mit Erik Thommy, Daniel Didavi, Anastasios Donis, Chadrac Akolo, Nicolás Gonzáles und nicht zuletzt mit Mario Gomez eine große Auswahl an Spielern, die alle in der Lage sind, Tore zu schießen.

So betrachtet, handelt es sich weniger um mutige Prognosen, wenn allgemein erwartet wird, dass der VfB nicht nur nichts mit dem Abstieg zu tun haben sollte, sondern am Ende der Saison wieder einen Platz in der ersten Hälfte der Tabelle belegt. Aber bitte mit mehr Toren und nicht mit zu vielen 1:0 Siegen. Das ist anstrengend für alle Beteiligten und man benötigt oft dazu auch Dusel. Und Glück hatte der VfB in so manchem Spiel der letzten Saison.  

Und wann hat es das in den letzten Jahren beim VfB gegeben, dass alle Neuverpflichtungen zu Beginn der Vorbereitung für eine neue Saison getätigt waren?

Daher gibt es nicht nur Prognosen, sondern auch klare Ansagen – vom Präsidenten Wolfgang Dietrich.

Er hat Anfang August beim Treffen mit Vorstandsmitgliedern der OFC klar und unverblümt zum Ausdruck gebracht, dass der VfB für die neue Saison sehr gut aufgestellt sei, um mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Und es sei nach wie vor das mittelfristige Ziel, wieder international mitspielen zu wollen.

Genau so klar und unmissverständlich betonte er, dass die Neuverpflichtungen und die Kaderzusammenstellung für die kommende Saison mit allen Verantwortlichen für den Spielbetrieb einvernehmlich abgestimmt wurden und deshalb alle Verantwortlichen nun „liefern müssen“.

Dieser klaren Ansage ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Spaß bei allen Spielen, die Ihr Live oder vor dem Fernseher verfolgt.

Viele Grüße aus dem Schwarzwald.

Bernhard

Soe/26.08.2018

 

 

 

Die Zuversicht überwiegt

Liebe Piranhas,

vor dem Start in die Rückrunde der 1. Fußball-Bundesliga melde ich mich nach langer Pause wieder mit einer Kolumne.

Mit dem Abschneiden des VfB in der Vorrunde nach dem Wiederaufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga können wir alle zufrieden sein.

O.K., 17 Punkte sind nicht so viele Punkte wie erhofft, aber 17 Punkte für einen Aufsteiger können sich sehen lassen. Sicherlich trifft es zu, dass Herr Wolf die Mannschaft seit dem Wiederaufstieg eher defensiv spielen lässt. Es ist ja eine Binsenweisheit, dass Fußballspiele in aller Regel in der Abwehr entschieden werden. Aber es ist auch klar, dass man ein Spiel nur dann gewinnt, wenn man Tore schießt: zumindest ein Tor mehr als der Gegner.

Ist die Spielweise des VfB in der Hinrunde zu defensiv gewesen, oder hat die Mannschaft zu wenige Torchancen, die zweifellos vorhanden waren, verwertet?

21 Gegentore in 17 Spielen, dies ist eine Bilanz, die sich sehen lässt. Deftige Niederlagen gab es in der Hinrunde für den VfB nicht. Aus dem Spiel heraus hat der VfB zehn Tore kassiert, elf Gegentore musste der VfB nach Standards hinnehmen. Darunter waren einige ärgerliche Gegentore, die nach schnell ausgeführten Freistößen fielen.

Dreizehn Tore hat der VfB in 17 Spielen geschossen. Nur dreizehn Tore. Das ist eindeutig zu wenig. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass die Mannschaft nach dem Wiederaufstieg erneut umgekrempelt wurde. Aus dem 26- köpfigen Kader, der den sofortigen Wiederaufstieg schaffte, sind mit Beginn der Rückrunde am kommenden Samstag gerade noch zehn Spieler dabei.

Die Abwehr hat mit der Verpflichtung von Holger Badstuber und dem immer stärker werdenden Benjamin Pavard an Stabilität gewonnen. Dies gilt auch für Timo Baumgartl, der sich mehr und mehr zu einem zuverlässigen Abwehrspieler entwickelt. Für das Mittelfeld ist mit dem Kauf von Santiago Ascacibar ein Juwel verpflichtet worden und mit dem erfahrenen Dennis Beck ist die Position des rechten Verteidigers solide besetzt. Ron-Robert Zieler zählt für mich zu den besten Torhütern der Bundesliga. Er hat mit einigen tollen Paraden nicht nur gegen Dortmund den Sieg gesichert, auch wenn er im Auswärtsspiel gegen den HSV gepatzt hat und für meinen Geschmack manches Mal zu weit vor seinem Tor steht. Und er gibt der Abwehr die nötige Sicherheit, auch deshalb, weil er über eine sehr gute fußballerische Qualität verfügt.

Die beiden zentralen Mittelfeldspieler hatten in der Hinrunde vor allem die Aufgabe, den Laden nach hinten abzusichern. Die Konsequenz: In der Hinrunde hat kein Mittelfeldspieler ein Tor für den VfB erzielt. Dies gilt auch für Berkay Özcan. Er hat in der Hinrunde als offensiver Mittelfeldspieler kaum Kreativität und Leidenschaft gezeigt und so gut wie keine Torgefahr entwickeln können. Zudem kommen über die Außenspieler zu wenige brauchbare Zuspiele in den Strafraum oder vor das Tor. Einzig Emiliano Insua sorgte nach Rückkehr von seiner verletzungsbedingten Pause mit einigen Flanken von der linken Seite für Gefahr vor dem gegnerischen Tor. Aber vorne fehlte ein Abnehmer, der sich gegen robuste und erfahrene Innenverteidiger der gegnerischen Mannschaften behaupten kann. Simon Terodde und Takuma Asano standen jeweils in fünfzehn Begegnungen auf dem Platz, schossen aber je nur ein Tor. Daniel Ginzcek konnte verletzungsbedingt nur an sechs Spielen der Hinrunde mitwirken und erzielte dabei immerhin zwei Tore. Leider waren Chadrak Akolo und Anastasios Donis in der Vorrunde zu häufig verletzt. Trotzdem schossen diese beiden Neuverpflichtungen fünf der dreizehn Tore.

Wie gut, dass sich der VfB mit Mario Gomez einen „dicken Fisch“ geangelt hat. Gomez hat seine Torjägerqualitäten viele Jahre unter Beweis gestellt. Er ist ein klassischer Strafraumstürmer, braucht aber verwertbare Zuspiele. Dann macht er auch für den VfB seine Tore, davon bin ich überzeugt. Mario Gomez ist ein Führungsspieler, der Verantwortung übernimmt und mit Einsatz- und Siegeswillen vorangehen wird. Hoffentlich orientieren sich an ihm, an Ron- Robert Zieler, Christian Gentner, Santiago Ascacibar oder Emiliano Insua weitere Spieler. Dies ist sicherlich nicht ausschließlich eine Frage des Wollens oder Könnens, sondern auch eine Frage des Kopfes. Dazu hat der VfB seit 2015 mit Philipp Laux einen Sportpsychologen an Bord, über den Hermann Gerland sagt: „Es gibt in der Bundesliga viele Gute (Sportpsychologen), aber der Beste ist der Lauxi“.

Es scheint so, dass alle Verantwortlichen beim VfB die Situation nach der Hinrunde professionell analysiert und die notwendigen Schlüsse und Entscheidungen getroffen haben.

Die Rückrunde beginnt am kommenden Samstag mit dem Heimspiel gegen Hertha BSC. In den ersten vier bis sechs Spielen wird sich zeigen, ob die Richtung weiterhin stimmt und das Ziel des Klassenerhalts mit diesem Kader und mit Herrn Wolf als Cheftrainer realistisch ist.

Persönlich bin ich zuversichtlich, dass der VfB eine erfolgreiche Rückrunde spielen wird und niemand die Frage nach der „Kreditlinie des Trainers“, stellt, die Herrn Reschke laut Zeitungsinformationen auch bisher noch nicht beschäftigt haben soll.

Viele Grüße aus dem Schwarzwald

Bernhard

 

Soe/09.01.2018